Zuses erstes mechanisches Gehirn der Welt

In der Wohnung seiner Eltern entwickelte Konrad Zuse den ersten Computer der Welt. Nachdem er 1935 sein sein Ingenieurstudium mit Diplom abgeschlossen hatte, konstruierte Zuse, nachdem er seinen Job als Statiker bei der Henschel Flugzeug-Werke AG in Schönefeld bei Berlin wieder aufgegeben hatte, in seiner „Erfinderwerkstatt“  in der elterlichen Wohnung seine Z1.

Das Prinzip dieser programmierbaren Rechenmaschine, die zwar noch nicht voll funktionsfähig war, übernahm Zuse dann für die Z3, die er mit Relais aufbaute, der erste voll funktionsfähige Computer der Welt. Zuse konnte Menschen mit seiner Begeisterung so sehr anzustecken, dass sie ihm immer wieder Geld gaben – sein Vater ließ sich sogar aus dem Ruhestand reaktivieren, um die Entwicklung mitzufinanzieren.

Zuse_Z1-2Während des Zweiten Weltkrieges konnte Konrad Zuse die „Zuse Ingenieurbüro und Apparatebau, Berlin“ gründen und beschäftigte zuletzt 20 Mitarbeiter. Es war das einzige Unternehmen, das in Deutschland Rechner entwickeln durfte.

Das Gerät diente zur Berechnung komplexer Ursachen, die wegen des Flügelflatterns zahlreicher neuentwickelter Flugzeuge und deren Absturz zu ergründen galt. Allerdings ist die Z3 nie als „dringlich“ eingestuft und nie in den Routinebetrieb übernommen worden. Nachdem das Original am 21. Dezember 1943 bei einem Bombenangriff zerstört wurde, befindet sich ein funktionsfähiger Nachbau im Deutschen Museum in München. Dieser Nachbau wurde 1962 von der Zuse KG zu Ausstellungszwecken angefertigt.

Die Weiterentwicklung der Z3 wurde von der Deutschen Versuchsanstalt für Luftfahrt gefördert, auch dies war wieder ein aus Relais aufgebauter elektromechanischer Rechner. Wurden bis dahin alle Rechner mit dem Anfangsbuchstaben Z wie „Zuse“ benannt, so kam ein Mitarbeiter auf die Idee, das Gerät als V4 zu bezeichnen, um damit zu suggerieren, es handele sich wie die V1 und V2 um Vergeltungswaffen. Unter dieser Tarnung war es möglich, gegen Kriegsende einen Transport nach Göttingen zu organisieren, wo die Z4 im März 1945 in der Aerodynamischen Versuchsanstalt des KWI für Strömungsforschung fertiggestellt wurde. Bei dieser Gelegenheit gelang es Zuse, sich der Gruppe Wernher von Brauns anzuschließen, die nach Bayern flüchtete.

Im Januar 1945 heiratete er seine Frau Gisela, geb. Brandes, in Berlin, mit der er später fünf Kinder hatte. Der älteste Sohn Horst ist heute Hochschullehrer für Informatik. Der Familie gelang die Flucht aus Berlin über Göttingen in das Allgäu, wobei Konrad Zuse den zuletzt entstandenen Rechner Z4 retten konnte. Er bildete die Grundlage, um nach dem Krieg das erste deutsche Computerunternehmen, die „Zuse KG“, aufzubauen.
(wikipedia)

Über mehrere Zwischenetappen kam Zuses Gruppe nach Hinterstein im Allgäu. Im Mehllager einer Bäckerei in Hopferau bei Füssen wurde die Z4 wieder aufgebaut. Zuse aber mußte seine Familie mit Malen von Gemsen in Öl für US-amerikanische Touristen über Wasser halten, zusätzlich unterstützte er ortsansässige Bauern bei der Abrechnung ihrer Milcherträge. Das Gerücht von der Z4 aber sprach sich herum. Die IBM suchte sein Patent zu kaufen – vermutlich um die weitere Entwicklung zu unterdrücken. Zusa aber kam mit der Zürcher Remington Rand zu einer Kooperation für die Konstruktion programmgesteuerter Rechenlocher. 1949 spürte Prof. Eduard Stiefel von der ETH Zürich Zuse im Allgäu auf und ließ sich die Eignung der Z4 für seine Forschung demonstrieren.

1950 war die Z4 der einzige funktionierende Computer in Mitteleuropa und der erste kommerzielle Computer weltweit.

Historische Notizen zur Informatik.

1280px-Zuse-Z-11Die Nutzung des Relaisrechners Z4 in Zürich ist ausführlich beschrieben, u. a. mit einem eingehenden Zeitzeugenbericht von Prof. Urs Hochstrasser, einer Liste des damaligen Institutpersonals und der noch lebenden Zeitzeugen sowie einer Übersicht über die 55 Aufträge und mathematischen Untersuchungen, die in den fünf Jahren mit der Z4 an der ETH Zürich durchgeführt wurden. Vgl. dazu: Herbert Bruderer, Konrad Zuse und die Schweiz. Zur Sprache kommt auch der Rechenlocher M9 (=Z9), den die Zuse KG als Folgeauftrag für die Schweizer Remington Rand entwickelt und in Serie gebaut hat. Die M9 wurde in Verwaltung, Industrie und Forschung verwendet. Die Erfahrungen mit der Z4 erleichterten den Eigenbau des Röhrenrechners ERMETH (elektronische Rechenmaschine der ETH). (wikipedia)

Seine Erfahrungen mit dem Militär hat Zuse im Rückblick so beschrieben: „Nur zu oft ist der Erfinder der faustische Idealist, der die Welt verbessern möchte, aber an den harten Realitäten scheitert. Will er seine Ideen durchsetzen, muß er sich mit Mächten einlassen, deren Realitätssinn schärfer und ausgeprägter ist. In der heutigen Zeit sind solche Mächte, ohne daß ich damit ein Werturteil aussprechen möchte, vornehmlich Militärs und Manager. […] Nach meiner Erfahrung sind die Chancen des Einzelnen, sich gegen solches Paktieren zu wehren, gering.“

Der Computer – sein Lebenswerk.
Insgesamt erhielt Konrad Zuse acht Ehrendoktortitel (darunter Technische Universität Dresden 1981, Bauhaus-Universität Weimar 1991) und zwei Ehrenprofessuren.

1973 wurde ihm das Große Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland verliehen,[30] 1995 dazu Stern und Schulterband. Er war Träger des Werner-von-Siemens-Ringes (1964), der Wilhelm-Leuschner-Medaille (1987) und der Wilhelm-Exner-Medaille (1969). 1972 wurde er Mitglied der Leopoldina. Im Jahr 1985 erhielt er die Cothenius-Medaille der Leopoldina.

1980 erhielt Zuse den mit 60.000 DM dotierten Preis der Aachener und Münchener für Technik und angewandte Naturwissenschaften.

1984 wurde das Konrad-Zuse-Zentrum für Informationstechnik Berlin gegründet.

1985 wurde Zuse das erste Ehrenmitglied der Gesellschaft für Informatik. Seit 1987 verleiht diese alle zwei Jahre die Konrad-Zuse-Medaille für Verdienste um die Informatik. Die Konrad-Zuse-Medaille für Verdienste um die Informatik im Bauwesen wird vom Zentralverband des Deutschen Baugewerbes für besondere Leistungen auf dem Gebiet der Informatik vergeben.

Der Chaos Computer Club ernannte Zuse zu seinem Ehrenmitglied. Konrad Zuse besaß zeitlebens keinen eigenen PC.

2002 wurde ein Konrad Zuse gewidmetes Medienzentrum an der Bauhaus-Universität Weimar eröffnet, das das Rechenzentrum der Hochschule sowie verschiedene Studios beherbergt.

Zuse wurde 2003 im ZDF auf Platz 15 der größten Deutschen gewählt.

Zur Geschichte der Informatik.

 

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